Vereinsleben Drucken
Samstag, 14. Januar 2012

Exkursion ins "Museum der bayerischen Könige" in Hohemschwangau
und Besichtigung der Pappenfabrik in Halblech

Das am 9. September 2011 eröffnete „Museum der bayerischen Könige" ist ein Publikumsmagnet. Zumindest gilt dies für die Mitglieder des Historischen Vereins Schongau Stadt und Land, die das Museum in maximaler Teilnehmerzahl, nämlich mit 60 Personen, besichtigt haben. Tatsächlich bietet das Museum eine gute Ergänzung zu den beiden benachbarten Königsschlössern. Es beeindruckt durch die Lage, den Blick auf Schloss und See, der durch die elegante Tonnengewölbekonstruktion über dem ehemaligen Speisesaal des Hotels Alpenrose ermöglicht wird.
Das Konzept des Museums dient vor allem der Vertiefung der wittelsbachischen  Herrscher- und Familiengeschichte. Vor allem die bayerischen Könige werden höchst vorteilhaft und spannend durch wohlausgewählte Exponate vorgestellt. So bewunderten die Schongauer den prächtigen feuervergoldeten Tafelaufsatz mit dem Nibelungenthema, das Hochzeitsgeschenk von Ludwig I an seinen Sohn Max II, oder das 292-teilige Tafelservice aus Nymphenburger Porzellan mit handgemalten Ansichten wichtiger Orte für Ludwig III, ein Geschenk anlässlich seiner goldenen Hochzeit 1918. Auf die persönlichen Leistungen der Regenten verweist zum Beispiel eine Prunkschatulle mit 225 Kunstblättern, die König Ludwig I von den Künstlern als Dank für die erteilten Aufträge verehrt wurde. Ein Schwerpunkt gilt natürlich Ludwig II, dessen Großmeistermantel des St.-Georgs-Ritterordens aus hermelingefütterter Samtseide zu sehen ist. Auch seine ausufernden nicht realisierten Baupläne werden in 3D-Animationen dargestellt, unter anderem sein Projekt, die Strecke von Schloss Hohenschwangau zum Alpsee mittels einer an einem Heißluftballon angehängten Gondel in Pfauenform zu überwinden. Interessant zuletzt die Familiengeschichte, die nach der Flucht und dem Aufenthalt im Exil bis in die Gegenwart weiterverfolgt wird. Die Teilnehmer an der Exkursion zeigten sich auch begeistert von den drei engagierten Führerinnen.
Auf dem Hinweg machte die Gruppe in der Pappenfabrik der Firma Tullau Pappen in Halblech Halt. Werksleiter Jörg Gauß und Produktionsleiter Andreas Höfig führten die Mitglieder des Vereins durch das Werk, in dem Langsiebpappe aus 100 Prozent Altpapier erzeugt wird. Nach der Auflösung des Rohstoffs in Pulpern konnte der Ablauf Blattbildung, Pressen, Trocknen und Schneiden in Fertigprodukte verfolgt werden. Durch die produktbedingt niedrige Herstellungsgeschwindigkeit gewannen die Besucher Einblick in das Produktionserfahren von Papier und Pappe, was in vielen modernen Werken nicht mehr möglich ist.



Donnerstag, 24. November 2011

Vorstellung von Band 11 des Jahrbuchs "Der Welf"

Erfreulicher Weise stieß die Präsentation des neuen Jahrbuchs bei Mitgliedern wie Freunden des Vereins auf großes Interesse, im Ballenhaussaal waren alle Plätze besetzt. Der Zweite Bürgermeister von Schongau, Paul Huber, lobte in seinem Grußwort die Arbeit der Redaktion des Jahrbuchs wie des Vereins überhaupt. Die Veranstaltung wurde von Oliver J. Keyser am Klavier musikalisch umrahmt.
Schriftleiterin Heide-Maria Krauthauf gab einen Überblick über den Inhalt des "Welf" . Sie bedankte sich auch bei dem Reaktionsteam für die konstruktive Zusammenarbeit, bei Harald Scharrer für die  Mühe mit dem Layout und bei der Firma EOS Druck und Verlag in St. Otilien für den sorgfältigen und reibungslosen Druck.
Der Band beinhaltet neun Beiträge zur Geschichte des Altlandkreises Schongau vom Ende des Mittelalters bis in die Gegenwart hinein. Deshalb präsentierten die Mitglieder der "Schongauer Gruppe", deren 40-jährige Künstlergemeinschaft  in dem Band thematisiert wird, an diesem Abend jeweils eines ihrer Werke.
Das Jahrbuch enthält auch zwei Würdigungen für ihr Lebenswerk. Geehrt wurden der  "Vater der schwäbischen Landesgeschichte", der em. Augsburger Universitätsprofessor Dr. Pankraz Fried, der als Lehrer, Forscher und Wissenschaftsorgnisator zu den profiliertesten Vertretern der Landesgeschichte zählt, sowie  Konrad Socher, der sich in verschiedenen Ehrenämtern für die Gemeinde Altenstadt, besonders für die romanische St. Michaels Basilika höchst verdient gemacht hat.
Die Titel der Beiträge des Welf 2010/11 finden Sie auf dieser Homepage unter "Publikationen".

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Im Vorfeld der Präsntation des Jahrbuchs fand die

Mitgliederversammlung

statt, in der die Vorsitzende des Vereins sowie die Vertreter der ARGE Stadtmuseum ihre Rechenschaftsberichte ablegten.

 

Sonntag, 6. November 2011

Eröffnung der neuen archäologischen Abteilung im Stadtmuseum Schongau

Viele Interessierte aus dem Verein, aus der Politik, wissenschaftliche Berater hatten sich eingefunden, um die Fertigstellung zu feiern und die neue Abteilung in Augenschein zu nehmen. Der Festakt lief nach folgendem Programm ab:

  • Begrüßung der Festgäste, Heide-Maria Krauthauf, Erste Vorsitzende;
  • Grußwort des Vertreters der Stadt als Hausherrn des Museums, Karl-Heinz Gerbl, Erster Bürgermeister der Stadt Schongau;
  • Grußwort von Dr. Sybe Wartena,  Referent für Oberfranken und das westliche Oberbayern an der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern;
  • Dank an die Sponsoren für die Restaurierung der Grabfunde aus Burggen, Helmut Schmidbauer, Kreisheimatpfleger und Mitglied der Vereinsleitung;
  • Information über das Konzept und den Werdegang der neuen Abteilung, Franz Grundner, 2. Vorstand des Vereins und in der ARGE Stadtmuseum, hauptverantwortlich für die neue Abteilung;
  • Führung durch die neue Abteilung, Harald Scharrer, Mitglied der Vereinsleitung und in der ARGE Stadtmuseum mit hauptverantwortlich für die Gestaltung der neuen Abteilung.
Die Veranstaltung wurde  von dem Bläserensemble der Musikschule Pfaffenwinkel e. V. musikalisch umrahmt. Mit ihrem Lehrer Andreas Immler musizierten Louisa Helbig, Georg Linder, Moritz Friedl und Leo Heck.

 

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Aus dem Schulleben von Altenstadt

Heinz Dobija las aus den in den Archiven der Gemeinde Altenstadt und der Pfarrei St. Michael Altenstadt verwahrten Dokumenten

Aus dem Jahr 1783 stammt die erste Nachricht über die Schule in Altenstadt. In diesem Jahr erläuterte der Altenstadter Pfarrer Dominicus Strobl in einem umfangreichen Exposé, woran es krankte und was unternommen werden sollte, um die hiesigen Schulverhältnisse, vor allem auch das Einkommen des Lehrers, zu verbessern. Schon dieses Schriftstück erzählt eine Menge über die schulischen Verhältnisse, beispielsweise, dass das Schuljahr damals nur von Allerheiligen bis Ostern dauerte und dass der Lehrer von jedem Kind mit einem kleinen Schulgeldbetrag und einem Scheit Holz entlohnt wurde. Sein Auskommen fand der Lehrer, wie aus seiner „Einkommensteuererklärung" Anfang des 19. Jh. ersichtlich, aus den Erträgen von 10 Tagwerk Grund, in der ganzen Altenstadter Flur verstreut, aber auch dadurch, dass er zum Schuldienst noch als Mesner und Organist tätig war, dafür ebenfalls 3 Tagwerk Grund bewirtschaften durfte.
Der Referent des Abends, Heinz Dobija, verstand es, die Zuhörer durch die Lesung von ausgewählten Quellen zur Schulgeschichte von Altenstadt authentisch mit der Situation im 19. Jahrhundert zu konfrontieren, mit den Problemen, dass die Kinder eigentlich als Arbeitskräfte gebraucht oder auch „ausgenützt" wurden, dass die Qualität der Lehrer nicht standardisiert war, dass die Altenstadter Bauern selbst in dieser Zeit ein recht karges Leben führten.
Im Jahr 1818 wurde Altenstadt eine eigenständige Gemeinde. Bereits 1816 hatte die Pfarrei das Haus des Lehrers, in dem dieser bisher auch unterrichtet hatte, gekauft und baute einen Raum als Schulzimmer an. Dieser Raum dürfte jedoch bald wieder zu klein geworden sein, wenn im Jahr 1823 33 Werktagsschüler und 39 Feiertagsschüler des damals 340 Einwohner zählenden Dorfes effektiv unterrichtet werden sollten. Das Problem wurde erkannt, aber eine Lösung war offenbar unmöglich. Erst im Jahr 1874 wurde ein neues Schulhaus, benachbart zum alten, gebaut. Dazu musste die Gemeinde mit 2000 Gulden beitragen, was einen Zuschuss von 25 Gulden pro Familie bedeutete. Nach damaligem Geldwert entsprach das immerhin dem Lohn eines Maurers von 17 Tagen.
Ausführlich ging der Referent des Abends, Heinz Dobija, auf die verschiedenen Lehrer ein, die die Qualität der schulischen Ausbildung in Altenstadt bestimmten. Er berichtete, wie ein kränklicher und mutmaßlich wenig kompetenter Lehrer über Jahre von seinem Sohn, dann von anderen Hilfslehrern ersetzt wurde, wie einer dieser Hilfslehrer wegen unkonventioneller Unterrichtsmethoden und wegen Annäherungsversuchen an noch schulpflichtige Mädchen entlassen wurde - allerdings: der Hilfslehrer war selbst erst 21 Jahre alt. In der Folge hatten die Altenstadter auch Glück: Der nächste Hilfslehrer war nicht nur fähig und beliebt, er heiratete auch noch die Tochter des kränklichen Lehrers und beerbte ihn im Amt. Leider starb der vorbildliche Lehrer 1885 mit 53 Jahren. Zu seinem 50. Geburtstag und seiner 25-jährigen Tätigkeit in Altenstadt hatte ihn die Gemeinde zwei Tage lang gefeiert und ihn dabei zum Ehrenbürger ernannt. Von seinen acht überlebenden Kindern wanderten vier nach Amerika aus, die Tochter Franziska wurde im Jahr 1900 die erste weibliche Postmeisterin Altenstadts.
Bürgermeister Albert Hadersbeck hatte für den Vortrag den Rathaussaal zur Verfügung gestellt. So fand der Vortrag im Dachgeschoss jenes Gebäudes statt, das, wie Dobija auch durch ein historisches Foto verdeutlichte, von 1874 bis 1956 die Altenstadter Schule war. Heide Krauthauf dankte dem Bürgermeister in Vertretung des Historischen Vereins Schongau für die Bereitstellung des Saales im „alten Schulhaus" und äußerte den Wunsch, dass dieses interessante Kapitel der Geschichte für das vereinseigene Jahrbuch aufbereitet werden sollte.

Samstag, 15. Oktober 2011

Exkursion nach Apfeldorf
ein Spaziergang durch den Ort und seine Geschichte

Fast 40 interessierte Mitglieder und Freunde des Vereins waren nach Apfeldorf gekommen. Zunächst führten Bürgermeister Georg Epple und Kirchenpfleger/Altlandrat Erwin Filser durch den Pfarrhof, der, in einer Rekordzeit von acht Monaten grundlegend renoviert, seit Mai 2010 sowohl als Amt des Bürgermeisters als auch als Pfarramt genützt wird.
Der nach den Plänen des bekannten Klosterarchitekten Johann Michael Fischer um die Mitte des 18. Jh. errichtete Bau, ein bemerkenswertes Denkmal barocker Baukunst und somit (lt. Bgm. Epple) das schönste Haus im Dorf, birgt noch manches Detail, das an die ursprüngliche Ausstattung und damit auch an die dem Chorherrenstift Polling fast 500 Jahre inkorporierte Pfarrei erinnert: z. B. das in Stuck ausgebildete Wappen des Bauherren, des Propstes Franziskus Töpsl, das in der zentralen Deckenkartusche den ehemaligen Wohnraum des Pfarrvikars im ersten Stock des Gebäudes ziert. Interessant auch  vier Türblattbemalungen, die mit  Ansichten von Polling, Rauhenlechsberg, Birkland und Apfeldorf selbst  wesentliche Punkte des Ortes und seiner  Geschichte vereinen.
Im Anschluss erklärte Erwin Filser den Exkursionsteilnehmern die Pfarrkirche "Heilig Geist", deren Langhaus im 19. Jh. erneuert  und mit einem Deckenfresko von dem Wessobrunner Künstler Johannes Jaud (sign. 1825) versehen, deren Kanzel von Eustachius Gast aus Altenstadt gefertigt wurde, zu deren Baugeschichte und Ausstattung es aber noch so manches Rätsel zu lösen gilt.
Anschließend wanderte die Gruppe zur Haldenkappelle, die an einen sicheren Ort versetzt wurde, weil sie vormals am Ufer, an der "Halde", des Lechs hinweggerissen zu werden drohte. Die Besonderheit dieser Kapelle sind ein eher unscheinbares Bildnis der "lieben Frau", mit einer schwarzen Madonna, das oft in der Not verehrt wurde und zu dem man pilgerte. In den Altar integriert findet sich eine Nachbildung des Gegeißelten Heilands in der Wies, die lt. Inschrift aus dem Jahr 1756 stammt. Auf der Empore steht die "Simnacher Orgel", deren Geschichte es auch noch zu erforschen gäbe.
Im abschließenden Gespräch berichtete der Bürgermeister über den derzeitigen Haushalt, die Projekte und die Aktivitäten des Ortes, was auf sehr geordnete Verhältnisse, auch auf viele innovative Ideen schließen lässt. Einige entscheidende positive Weichen scheinen in letzter Zeit gestellt worden zu sein und dazu gehört auch die erfolgreiche Revitalisierung des historischen Pfarrhofs.
Der Ausklang im Restaurant "Goldener Apfel"  war eher improvisiert, aber deshalb umso gemütlicher.

Montag, 25. Juli 2011

Tourismus in Schongau bis in die 1950er Jahre

Vortrag mit Bildern von Harald Scharrer, Schongau
Stadtmuseum Schongau, Christophstraße 53

Harald Scharrer beschäftigte sich in seinem Vortrag mit dem  Phänomen des Reisens, wofür  - Wallfahrten ausgenommen - nur allmählich breitere Bevölkerungsschichten die entscheidenen beiden Voraussetzungen mitbrachten:  Zeit und Geld . Erst 1873 waren in Deutschland die ersten Urlaubszeitregelungen für eine kleine privilegierte Gruppe erlassen worden.  Bis zum Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts verfügten nur wenige über die nötigen finanziellen Mittel.
In dieser ersten Phase des Tourismus bot der Eisenbahnanschluss ab 1886 eine entscheidende Prämisse, um die Stadt Schongau am Voralpenrand mit dem damals noch wilden Lechfluss zu erreichen. Schon ein Jahr später eröffnete der wendige Schongauer Kaufmann Joh. Bapt. Anderl das Johannisbad  mit angeschlossenem Hotelbetrieb, das mit einem vielfältigen Wasserheilangebot und einem umfangreichen Ausflugs- und Kulturprogrammm um seine Gäste warb. Leider  konnte dieser Kurbetrieb  nur 10 Jahre gewinnbringend geführt werden und büßte nach der notwendigen Versteigerung mehr und mehr an Qualität ein.
Ab 1877 bemühten sich auch der neu gegründete "Verschönerungsverein" und ab 1889 die Stadt Schongau selbst durch verschiedene Aktionen und Broschüren darum, die Attraktivität der Stadt als Urlaubsort zu steigern. Dennoch blieb Schongau bis zum Ersten Weltkrieg für die meisten Besucher nur ein Etappenziel auf der Durchreise.
Das änderte sich in den 30er Jahren, als der Massentourismus zum politischen Programm der Nazionalsozialisten gehörte. Die Organisation "Kraft durch Freude" (KdF) brachte nun wochenweise Urlaubsgruppen in die Stadt, die hier ein örtlicherseits organisiertes Unterhaltungsprogramm erwartete. In den Jahren bis zur Saison 1937/38 konnten so die Übernachtungszahlen auf über 10 000 gesteigert und damit gegenüber 1931/32 verdoppelt werden.
Danach kamen die Kriegsjahre, in denen weiter viele Betten, besonders die in Privatquartieren gebraucht wurden. Aber nun waren es die Arbeiter des hiesigen Fliegerhorstes und der Flakartillerieschule Altenstadt, die Frauen der Soldaten und schließlich die Evakuierten, die hier eine Unterkunft suchten.
Nach dem Zweiten  Weltkrieg brachte das Wirtschaftswunder den Tourismus wieder in Gang. In den 50er Jahren wurde Schongau erneut das Ziel von Pauschalreisen. Neben den Gasthöfen vermieteten nun  viele Schongauer Privatleute günstige Ferienzimmer, zum Teil um die Kosten des neuen Hauses zu finanzieren.
Der Referent beschäftigte sich in seinem Vortrag ebenfalls mit dem Bild Schongaus in der Werbung, das Fremde anlocken sollte, mit attraktiven Reisezielen der Umgebung wie den Oberammerauer Passionsspielen, die sich auf die Urlauberzahlen auswirkten, sowie mit Reisegewohnheiten und Reiseerwartungen damaliger Touristen. Insgesamt bot der Abend daher einen höchst informativen, bisweilen amüsanten Blick auf die Entwicklung des Fremdenverkehrs bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

 

Donnerstag, 11. Juli 2011

Zeitzeugentreffen
Initiative und Leitung: Helmut Vollmann

In der Auftaktveranstaltung im Schongauer Brauhaus berichtete Edmund Baumgärtner, ehemaliger Chef des Schongauer Postamtes, über die Postgeschichte, die er in seinem 2010 verfassten Buch (im Eigenverlag) dokumentiert hat.
Ferner zeigte Albert Lengger Fotos von 19 ehemaligen Schongauer Tankstellen. 
Beide Vorträge sollten als Beispiel dienen, wie ein Themenbereich erarbeitet werden kann.
Herr Vollmann stellte sodann sein Konzept vor, indem er eine Liste mit unterschiedlichen Themen verteilte, die einer Bearbeitung würdig seien. Außerdem forderte er die Anwesenden auf, die Initiative zu ergreifen, persönlich oder in einem Team ein Thema der jüngsten Vergangenheit zu erforschen.
Herr Vollmann will dieses Projket weiter verfolgen.
Dazu sollen Zeitzeugentreffen künftig in regelmäßigen Abständen stattfinden. Außerdem hofft Helmut Vollmann auf die Mitarbeit von Freiwilligen, die sich für ein Thema interessieren, sowie auf Zeitzeugen, die ihr Wissen zur Verfügung stellen und festhalten wollen.

 

Mittwoch, 4. Mai 2011

Das Königreich Bayern und sein berühmtester Monarch Ludwig II.
Vortrag von Dr. Thomas Ott, Augsburg

Als Spezialist zum Thema „Wittelsbacher" sprach der in Weilheim geborene Historiker Dr. Thomas Ott im Jahr des 125. Todestages über den sagenumwobenen Märchenkönig, skizzierte seine Persönlichkeit jenseits der beliebten klischeehaften Zuordnungen.  „Wir glauben ihn zu kennen, diesen populärsten aller Monarchen, und dennoch wussten nicht einmal die Zeitgenossen, was es mit seiner Person auf sich hatte." 
Zunächst einmal portraitierte der Referent die bayerischen Herrscher von Max I. Joseph bis hin zu Ludwig III, um die Sonderstellung von Ludwig II, „dem anderen" König plastisch darzustellen. Dabei erfuhren die Gäste in wohldosiertem Geschichts-Galopp zunächst einmal eine Fülle von Informationen zu Politik und Verfassung des 1806 aus der Taufe gehobenen Königreichs, einer Rangerhöhung von Napoleons Gnaden: Das Staatsgebiet Bayerns wurde durch die Säkularisation verdichtet, die Kirche entmachtet, Behörden und der Staatsapparat waren allgegenwärtig. „Der bayerische König findet sich also in einem Staat wieder, dessen Aufgaben stark gewachsen sind und dessen Untertanen beginnen, an der politischen Willensbildung teilzunehmen. Daraus entsteht ein Machtgefüge, das für die Monarchie im ganzen 19. Jahrhundert bestimmend bleibt: Ein Dreieck aus König, Ministerium und Parlament."
1864 wurde der neunzehnjährige Ludwig II. völlig unvorbereitet zum Thronerben, zu einer Zeit, in der die hochmoderne Armee Preußens und die fest entschlossene Diplomatie Bismarcks alles aus dem Weg räumten, das einer Nationalstaatsgründung unter Preußens Führung entgegenstand. Der junge Ludwig, zwischen Parlament und Ministerium zerrieben, flankiert von einer Zahl mittelmäßiger Berater und Minister,  war diesen Vorgängen in Deutschland, die längst nicht nur ihn überrollten, hilflos ausgeliefert.
Der junge Monarch vernachlässigte seine Regierungspflichten, seine Aufgaben zur Integration der verschiedenen bayerischen Bezirke.  Er bevorzugte die Einsamkeit der Allgäuer und oberbayerischen Alpen.
Ebenso wie seine Vorgänger war er jedoch höchst aufgeschlossen für die bahnbrechenden technischen Neuerungen, begeistert sich für elektrisches Licht und Telefon, klimatisierte seinen Münchner Wintergarten auf dem Dach der Residenz.
Ott behielt seinen faszinierenden Erzählbogen auch im Kapitel  über Kunst und Kultur bei. Ludwigs Vater, Maximilian, baute schon München zu einem führenden Wissenschaftsstandort aus. Auch der Sohn Ludwig II. sah sich als „Lehrmeister und Kulturpolitiker". Der Bau eines Volkstheaters am Münchner Gärtnerplatz, die Gründung der Polytechnischen Schule, der späteren TU, gingen auf sein Konto, die Denkmalpflege macht er sich zueigen.
Bereits im ersten Regierungsjahr berief er den Komponisten Richard Wagner an seinen Hof. „Wagner, bis dahin eine gescheiterte Figur, schwebt eine völlig neue Form von Kunst vor, das „Musikdrama", eine Verbindung von antikem Schauspiel, mittelalterlicher Sage und modernster Klang- und Bühnentechnik, transportiert durch eine Musik, die - ob man sie mag oder nicht - damals wegweisend war."
Die Auseinandersetzung um die Person Wagners, der sich in der Münchner Gesellschaft unmöglich gebärdete, markierte den entscheidenden Wendepunkt in Ludwigs Laufbahn, endete im Eklat mit seinen Ministern, im Rückzug aus München. Von da an sollten die Schlösser - Linderhof, Neuschwanstein, Herrenchiemsee - sein Schicksal  fesseln. Die Finanzen gerieten dabei völlig aus seinem Blick, der einstmals intelligente und begabte junge Monarch verstrickte sich in ein privates Labyrinth, der Märchenkönig der Berge löste eine handfeste Regierungskrise aus. Um der eigenen Entmachtung zu entgehen, bestellen seine Minister Psychiater, die Ludwig, ohne ihn in Augenschein zu nehmen, entmündigten. Als suizidgefährdet eingestuft, wurde er auf Schloss Berg unter der Aufsicht von Dr. Bernhard von Gudden festgesetzt. Ott sieht die „wenigen Fragen um seinen Tod - es sind nicht viele und ich persönlich halte keine für geeignet, die offizielle Version vom Selbstmord Ludwigs in geistiger Umnachtung auch nur ansatzweise zu erschüttern - diese paar Ungereimtheiten" als Auslöser „um ein Eigenleben zu entwickeln, vor allem durch die Pressearbeit der Regierung, die das Vorkommnis völlig überforderte, aber auch durch spätere Legendenbildungen."
So wurde aus der Figur Ludwigs II., einem Monarchen ohne nennenswerte Erfolge, traumatisiert von der Regierung, behaftet mit einem politischen Minderwertigkeitskomplex, eine Kultfigur mit dem Wahlspruch „tausche glücklose Herrschaft gegen Märchenwelt", der ihr enormes Schöpfertum zum eigenen Fallstrick wurde. Und auch hier tauchte der Bezug zur heutigen Gegenwart in Otts Referat auf, die Parallelen zur Hysterie um „Stars" unserer Tage. Im Bildgedächtnis der Öffentlichkeit blieb Ludwig „für immer jung - krank, verlassen, verzweifelt". Die Gegenwelt, die sich Ludwig erschaffen hatte, führte - so Ott in seinem spannenden Resümee  - zur „Verkitschung Bayerns, nährt die seichte Folklore, ein Bild von Bayern, das eben nicht den Fortschritt des Landes, sondern seine vermeintliche Urwüchsigkeit betont".
Bericht von Dorothe Fleege für die Schongauer Nachrichten (gekürzt und verändert)

 

15.03.2011

Führung durch Klostermuseum Steingaden

Fast 50 Interessierte fanden sich ein, um mit Gerhard Klein das Klostermuseum des ehemaligen Prämonstratenser Chorherrenstifts Steingaden zu besichtigen.
Gerhard Klein, der weitgehend auch für die Gestaltung der Räume verantwortlich zeichnet, führte die Gruppe in den ersten Stock des Apothekentrakts. Hier in dem zentralen Raum, dem langen Gang mit dem gotischen Gewölbe, konnten die Besucher die Entwicklung seit der Gründung des Chorherrenstifts durch Herzog Welf VI. im Jahr 1147 bis zur Säkularisation 1803 nachvollziehen.  Herr Klein fesselte die Besucher gleich zu Anfang mit seinen Ausführungen zur Frühgeschichte des Klosters, das von Prämonstratensern aus dem württembergischen Rot an der  Rot besiedelt worden war. Anhand des ausgestellten Bildmaterials  berichtete er über die frühe Geschichte des Ordens und den Ordensstifter, den heiligen Norbert, der schon zu seinen Lebzeiten 65 Klöster gegründet hatte und dessen Ölgemälde des 18. Jh. aus Klosterbesitz  diesen ersten thematischen Abschnitt dominiert..
Dieser zentrale Raum des Museums erzählt die historische Entwicklung  vor allem durch die  "Galerie der Prälaten": Ölbilder von 32 der insgeamt 44 Pröpste und Äbte (Abtwürde ab 1434). Den Gemälden zugeordnet wird durch Graphiken und Fotos, welche Ereignisse ihre Amtszeit bestimmten, welche baulichen Veränderungen damals stattfanden.
In den Seitenräumen stellte Gerhard Klein den Besuchern so manche Kostbarkeit vor, die ehemals das "Welfenmünster" oder eine der benachbarten klösterlichen Kirchen zierte, nun, wie er scherzhaft vermerkte, oft  "verdichtet deponiert", also vergessen auf irgendeinem Dachboden aufgefunden worden war. Beeindruckt zeigte sich die Gruppe u. a. von den von Bernhard Ramis an der 14. Station signierten großformatigen Kreuzwegbildern, von den Skulpturen des hl. Antonius und des hl. Franz  Xaver des Füssener Bildhauers  Anton Sturm aus der ehemaligen Pfarrrkirche St. Dionysius sowie von der Kreuzigungsgruppe, die Johann Pöllandt zugeschrieben wird.

 

02.02.2011

Die römische villa rustica in Peiting. Ausgrabungen und Aktivitäten

Vor rund 60 Zuhörern im Hotel Alte Post in Schongau berichteten Jakob Leicher, der Vorsitzende des Fördervereins Villa Rustica Peiting, und Werner Schmitt, der kommissarische Schriftführer des Vereins, über die Forschungsgeschichte der villa rustica sowie über die Aktivitäten des Fördervereins, im Besonderen über den Schutzbau, der über dem Bad der villa in mühevoller ehrenamtlicher Arbeit entsteht.
Auf mögliche römische Spuren in der Flur Neukirchwiesen/Auf den Höfen verwies erstmals Franz Maria Ferchl in einem Brief aus München von 1837. Diese Nachricht geriet allerdings  in Vergessenheit.
Im Jahr 1956 wollte der Grundeigentümer des Areals die störenden Schutthügel beseitigen. Daraufhin veranlasste der Peitinger Bürgermeister Karl Fliegauf eine Notgrabung. Der Grabungstechniker Wilfried Titze legte vorübergehend die Grundmauern des Hauptgebäudes einer römischen villa und die eines Bades frei. Durch den westseitig angebauten Porticus (= eine Säulenhalle) mit  zwei Apsiden wurde diesem Landsitz seitens der Archäologen eine größere Bedeutung als den häufig anzutreffenden rätischen villae rusticae zuerkannt. In der NO-Ecke des Wohnhauses wurde ein Bleitäfelchen mit kryptographischen Ritzungen entdeckt. Ein gewisser Clemens erhoffte im Glauben an den damit verbundenen magischen Zauber seine geliebte Gemella zu erobern.
Weitere Grabungen erfolgten 1962 und 1984 im Zuge des Baus einer Gasleitung, wodurch dann ein Teil des Haupthauses zerstört wurde.  Diese Grabungen erbrachten Hinweise auf ein Wirtschaftsgebäude und auf die Umfassungsmauer.
Ein weiterer verlustreicher Einschnitt ergab sich durch den Bau der Umgehungsstraße( B17). Die damit verbundene Notgrabung 1987 bestätigten ein weiteres Gebäude (Werkstatt oder Lager) und eine Toranlage, die aber dem Straßenbau zum Opfer fielen..
Im Jahr 2002 wurden nördlich und östlich der Grabungsbefunde durch eine geophysikalische Untersuchung weitere Grundmauern dokumentiert, die bisher nicht interpretiert werden konnten.
Die Gründung des Fördervereins Villa Rustica im Jahr 1992 sollte künftig den Schutz der noch im Boden verbliebenen Mauerreste gewährleiten. Mit der Zeit reifte dann der Entschluss, das Badgebäude dauerhaft freizulegen und mit einem Schutzbau zu versehen.
Nach der Genehmigung im Jahr 2000 wurde sofort begonnen. Seitdem hat eine kleine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern unter der Führung von Jakob Leicher in bisher 19 200 Stunden den Badetrakt ergraben, gesichert und ab 2004 durch die Errichtung eines Gebäudes aus Stahl, Holz und Glas wetterbeständig geschützt. Trotz Materialspenden kostete der Bau bisher fast 250 000 €.
Bis zur geplanten Eröffnung am 9. September 2012, dem Tag des Denkmals, sollen auch die Besuchertribüne, sämtliche Informationstafeln, der römische Kräutergarten fertiggestellt sein.
Berichte über die Grabung finden sich in: Der Welf 1993 und 2004/2005.
Zeitungsberichte über den Vortrag in den Schongauer Nachrichten vom 5./6.02.2011 und im Lechkurier vom 11.02.2011.

 

11.12.2010

Historischer Verein besucht Oberammergau

Im Jahr 1905 beauftragte der Oberammergauer Verleger Guido Lang den Münchner Architekten Franz Zell mit dem Bau eines Hauses, das seinen Firmensitz und im oberen Stockwerk ein Museum beherbergen sollte. Franz Zell verantwortete auch das Museumskonzept, das die Handelswaren von Guido Lang, also vor allem Schnitzkunst und Spielwaren, der Öffentlichkeit präsentieren sollte. Vor hundert Jahren wurde das Museum eröffnet und noch heute sind etliche Vitrinen im Stil der Prinzregentenzeit und original bestückt, z. B. mit barock gestalteten Taschenuhrständern für Leute, die sich keine weitere Uhr im Haus leisten konnten.
Der Preis bestimmte schon immer den künstlerischen Anspruch. So sah die Schongauer Gruppe qualitätvolle Holzbildhauerarbeiten des 18. Und 19. Jahrhunderts neben Massenprodukten, wie beispielsweise Kruzifixe der „Herrgottschnitzer".
Ein wichtiges Handelsgut waren die Krippen. Einige herausragende Beispiele befinden sich in den ehemaligen Geschäftsräumen im Erdgeschoss des Museums. Ein großer Teil der Abteilung wird allerdings von der Krippe eingenommen, welche1742  für die neue Pfarrkirche von ortsansässigen Schnitzern gestiftet und Jahr um Jahr erweitert wurde.
In der noch laufenden Sonderausstellung „Ein Dorf spielt die Erlösung" erklärte die Führerin Frau Bubenzer-Schmitz den Schongauern die Entwicklung des Passionsspiels. Wichtige Dokumente wie die erste Abschrift von 1662, Kulissenmodelle, Kostüme veranschaulichen die Aufführungsgeschichte, stellen die Fassung Daisenberger der nur kurzzeitig aufgeführten Fassung Rosner gegenüber. Zur Führung gehören auch ein Gang in das Foyer des Passionstheaters mit den unzähligen privaten Passionsfotos und auf die Theaterbühne. Laut Führerin gab es während der Passion ebenso mal Schnee auf der Bühne wie an diesem Tag.
Im ersten Stock des Pilatushauses befinden sich neuerdings die Hinterglasbilder des Museums. Hier sprach Prof. Josef Riederer, der bei der Gestaltung der neuen Abteilung mitgewirkt hatte, über die verschieden aufwendigen Techniken, die Motive und über die Zentren dieser Kunst: neben Oberammergau in Murnau, Seehausen am Staffelsee oder im Bayerischen Wald und in der Oberpfalz.
Die Gruppe konnte sich an diesem Nachmittag einen Überblick über Kunsthandwerk und Kunst in Oberammergau verschaffen. Über zeitgenössische Arbeiten informierte unter anderem die Retrospektive Josef Michael Fux, der in den 80er Jahren etliche Figuren für die Zunftstangen der Schongauer Stadtpfarrkirche geschnitzt hatte.

 

 

07.10.2010

Historischer Verein auf dem Hohenpeißenberg
Bürgermeister Dorsch informiert über die Restaurierung

Einheimische Künstler, Schmuzer, Günther, Schmädl, die gleichen, die sich zuvor in der Rottenbucher Stiftskirche bewährt hatten, wurden 1747/48 verpflichtet, die Gnadenkapelle auf dem Hohenpeißenberg im Stil des Rokoko neu auszustatten. Seit fünf Jahren nun wird die Gnadenkapelle neben der Wallfahrtskirche grundlegend restauriert und dabei nach langwierigen und oft grundsätzlichen Diskussionen der Fachleute der Zustand von 1748 möglichst originalgetreu wiederhergestellt.
Um sich über die Restaurierungsmaßnahmen zu informieren, unternahm eine Gruppe des Historischen Vereins auf Einladung von Bürgermeister Thomas Dorsch eine Exkursion auf den Hohenpeißenberg. Zunächst übernahm es Georg Suttner, der Gruppe einen Überblick über die Geschichte der Wallfahrtsstätte zu geben, die mit der Stiftung der Muttergottesfigur aus Schongau im Jahr 1514 für die erste kleine Kapelle begonnen hatte. Bereits 100 Jahre später wurde wegen des ständig wachsenden Pilgerstroms die Wallfahrtskirche an die Kapelle angebaut, um 1750 pilgerten jährlich an die 40 Tausend zu dem Gnadenbild auf dem Berg. Die beiden Kirchen waren inzwischen in mehrfachen Etappen dem Zeitgeschmack entsprechend kostbar ausgestattet worden.
Bürgermeister Dorsch informierte die Gruppe dann detailreich über die Restaurierungsmaß-nahmen. Der Chorraum der Kapelle ist weitgehend fertiggestellt, hier haben die Kirchenmaler die ursprüngliche reiche Vergoldung, die sogar die Fenstergitter mit einschließt, bereits aufgetragen. Der Stuck unter den Fenstern wurde nach freigelegten Kohlevorzeichnungen von F. X. Schmuzer ergänzt, frühere Marmorierungen und Brokatierungen wiederhergestellt.
An der Raumschale des Langhauses wird noch intensiv gearbeitet. Hier wurden, wie Dorsch ausführte, in größerem Maß fehlender Stuck über dem Eingang und gegenüber ebenfalls nach Vorzeichnungen rekonstruiert. Die Orgel an der Rückwand der Kapelle wurde entfernt und dadurch der alte Stuckrahmen des inzwischen zerstörten Wallfahrtsbildes wieder sichtbar. Auf Initiative des engagierten Bürgermeisters soll künftig ein Gemälde von Joh. Georg Bergmüller aus den Depots der Staatsgemäldesammlungen den Rahmen füllen.
Die beiden wunderbaren Deckenbilder im Chor und im Langhaus von Matthäus Günther strahlen bereits in ursprünglicher Farbkraft und Schärfe. Mit der Restaurierung der Altäre wird gerade begonnen. Das Engagement der Gemeinde geht so weit, aktuell sogar darauf hinzuarbeiten, einen der drei nach Tirol verkauften Schreine mit Katakombenheiligen wieder auf den Peißenberg zurückzuholen.
Die Mitglieder des Vereins, unter ihnen auch einige aus Rottenbuch, von dessen Chorherrenstift aus über 200 Jahre die Wallfahrt und Seelsorge auf dem Berg betreut wurde, durften abschließend noch einen Blick in das ehemalige Oratorium über der Sakristei werfen. Die Führung endete im Fürstentrakt des angrenzenden Herrenhauses, der einst zur Beherbergung der landesfürstlichen Familie bereitstand.

 

17.09.2010

Historischer Verein auf Hohenfreyberg und Eisenberg

Die Burgruinen Hohenfreyberg und Eisenberg bei Pfronten bildeten das Ziel der letzten Exkursion des Historischen Vereins Schongau. Die beiden benachbarten Burgen an exponierten Stellen und nicht weit von der tirolischen Grenze entfernt dienten ursprünglich als Symbole der Macht ihrer Herren. Heute bieten sie herrliche Aussichten auf das Allgäuer Voralpenland und andere Burgen wie die Ruine Falkenstein und Schloss Neuschwanstein.
Die etwa hundert Jahre ältere Burg Eisenberg kann durch den extrem hohen Mauerring als Mantelburg bezeichnet werden. Hohenfreyberg wurde ab 1418 als Gipfelburg mit einem imposanten Bergfried und zwei Palassen erbaut. Beide Burgen wurden mehrfach aus- und umgebaut. Um 1500 wurde Hohenfreyberg für den Gebrauch von Feuerwaffen befestigt und damit zu einer zeitgemäßen Wehrburg modernisiert. Dies geschah unter Georg Gossenbrot, dessen Grabmal die Mitglieder des Historischen Vereins bei der letzten Fahrt nach Füssen in der Klosterkirche St. Mang besichtigt haben.
Nicht die Bauernaufstände von 1525, wohl aber die Wehrtaktik des Dreißigjährigen Krieges besiegelte das Schicksal beider Burgen. Sie wurden beide von den eigenen Leuten angezündet und waren seitdem dem Verfallprozess ausgesetzt.
Von 1995 bis 2002 wurde die Ruine Hohenfreyberg mit Hilfe einer schweizerischen Stiftung und dank weiterer Sponsoren in beispielgebender Weise saniert. Dafür verantwortlich gezeichnet hatte Dr. Joachim Zeune mit seinem Büro für Burgenforschung, der die Gruppe des Historischen Vereins durch beide Burgruinen führte und sie mit deren wechselvoller Geschichte vertraut machte.
Dabei wurde die Gruppe auch mit den unterschiedlichen Restaurierungsmaßnahmen an beiden Burgen konfrontiert. Bereits ab 1980 war die Burg Eisenberg durch den örtlichen Burgenverein liebevoll saniert und ergänzt worden. Dabei wurden zahlreiche Mauerpartien rekonstruiert und die Ruinensilhouette geglättet. Bei Hohenfreyberg hingegen wollte man alle baugeschichtlichen Informationen erhalten und wenn möglich sichtbar lassen. Deshalb wurde der Originalbestand mit Hilfe historischen Materialien lediglich behutsam gesichert und die Restaurierung von aufwendigen Untersuchungen begleitet.
Aufgrund seiner Leistungen in der Burgenforschung ist Dr. Zeune in überregionalen Institutionen wie der Deutschen Burgenvereinigung und dem Europäischen Burgeninstitut mit leitenden Funktionen betraut. Die Gruppe schätzte es, von dem renommierten Burgenforscher über Baudetails der beiden Burgen minutiös, aber anschaulich informiert zu werden. Durch die simulierten Rekonstruktionen erfuhren die Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins Schongau nicht nur über das Aussehen der Burgen in den einzelnen Bauphasen, sondern auch über das Leben in ihren Mauern.
In Diskussionen und mit weiteren Fragen an Dr. Zeune klang der gelungene und für alle höchst informative Nachmittag in der Gastwirtschaft Schlossbergalm aus.

 

26.06. und 03.07.2010

Exkursionen nach Füssen und Augsburg zu den drei Orten der Landesausstellung
Bayern - Italien

Die diesjährige Landesausstellung widmet sich der vielfältigen Beziehungsgeschichte zwischen den beiden Ländern Bayern und Italien. Ein umfassendes Thema, das an drei verschiedenen Standorten in Füssen und Augsburg gezeigt wird. Die Schongauer, selbst an der wichtigen Straßenverbindung zwischen den beiden Ländern beheimatet, fuhren am ersten Samstag nach Füssen, wo im Kloster St. Mang die herrschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen bis 1800 präsentiert werden. Dem Ausstellungskonzept folgend werden diese Beziehungen an historischen Persönlichkeiten festgemacht, an Theodolinde, der bayerischen Prinzessin auf dem langobardischen Königsthron zum Beispiel, oder an Kurfürstin Henriette Adelaide aus Turin, die den Barockstil nach Bayern brachte. Für die Schongauer besonders interessant war die Handschrift aus dem 12. Jahrhundert mit dem berühmten Welfenstammbaum und den darauf dargestellten italienischen Wurzeln dieser für unseren Raum so bedeutenden Herrscherfamilie.
Am Nachmittag unternahm die Schongauer Gruppe einen Rundgang durch die Altstadt von Füssen. Geführt wurden sie von dem Vorsitzenden des Historischen Vereins Füssen, Magnus Peresson. Der Architekt und lebenslange Erforscher der Geschichte seiner Heimatstadt zeigte den Schongauern auch versteckte oder schwer zugängliche Sehenswürdigkeiten der Stadt wie das älteste Stadttor, das Bleichertörle, und in die Magnuskrypta mit den Wandmalereien der Heiligen Magnus und Gallus aus dem 10. Jahrhundert.
Am zweiten Wochenende fuhr die Gruppe des Historischen Vereins nach Augsburg. Im neu eröffneten Textil- und Industriemuseum werden im zweiten Teil der Landesausstellung die Beziehungen des neuen Bayern zu Italien bis zur Gegenwart thematisiert. Hier ist von der Italiensehnsucht König Ludwigs I. die Rede, aber auch italienischen Saison- und Gastarbeitern. Neben Italien als beliebtestem Urlaubsland wird an die düsteren Kapitel in den beiden Weltkriegen erinnert.
Der dritte Teil der Ausstellung im Maximilianmuseum konzentriert sich im Wesentlichen auf den Austausch zwischen Augsburg und Italien am Beginn der Neuzeit, als die Fugger der Reichsstadt zu Weltgeltung verhalfen. In einigen Beispielen wird gezeigt, wie heimische Künstler allmählich den Stil der Renaissance übernahmen und Augsburg zur „nördlichsten Stadt Italiens" machten. Damals arbeitete in Augsburg auch der aus Schongau gebürtige Hans Reichle. Der bedeutende Bildhauer fertigte im Jahr 1606 für den Giebel des Siegelhauses von Elias Holl den überdimensionalen Bronzeadler auf der Weltkugel, der heute im Hof des Maximilianmuseums steht.

 

20.05.2010

Besuch des Auerbergmuseums im Kiebelehaus von Bernbeuren
Führung: Peter Ernst, Erster Vorsitzender Museumsverein Bernbeuren e. V.

20 Mitglieder des Historischen Vereins trafen sich um 16:30 vor dem Auerbergmuseum, um sich kompetent geführt von Peter Ernst über die Einrichtung des Museums im historischen Schefflerhaus, das Konzept des Museums und die Sammlungen selbst zu informieren. Von überregionaler Bedeutung ist das Museum durch die Abteilung im ersten Stock, in der durch grafische Darstellungen und filmische Rekonstruktionen sehr anschaulich die frührömische Siedlung auf dem Auerberg thematisiert wird. In den anderen Abteilungen weisen beeindruckende Sammlerstücke und ausführliche Texte in die Geschichte des Dorfes und den wirtschaftlichen Wandel der Region ein. Voll Hochachtung erfuhren die Exkursionsteilnehmer, dass die Entkernung und Sichtbarmachung alter Bausubstanz des Ständerbohlenbaus weitgehend durch ehrenamtliche handwerkliche Leistungen von fünf Dorfbewohnern geschultert wurde, dass der Museumsverein unter der Federführung von Peter Ernst die inhaltliche Planung, Finanzierung und die Koordination der ausführenden Firmen mit den beratenden Institutionen übernommen hat. Von allen Mühen merkt der Besucher nichts, wenn er beispielsweise an der Hörstation in der hierher transferierten Honeleshofstube den Ausführungen von Frau Socher auf Berebairisch oder Hochdeutsch lauscht bzw. aus der Vogelperspektive die Handwerkersiedlung mit den Wällen auf dem Berg betrachtet. Ein Besuch in dem gerade ein Jahr alten Museum ist sehr zu empfehlen.

 

17.03.2010

Militärgeschichtliche Sammlung der Luftlande- und Lufttransportschule und des Fördervereins der Deutschen Fallschirmjäger, der Flieger und der Gemeinde Altenstadt

Oberst a. D. Manfried Reinig führte über 50 Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins durch die Sammlung, deren zentraler Teil die Geschichte der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht von 1935 bis 1945 und der Bundeswehr von 1956 bis zur Gegenwart behandelt. Die Besucher zeigten sich von der gut zweistündigen Führung sehr beeindruckt. Manch einer äußerte den Wunsch, dass diese für die Bedeutung dieser Truppengattung wie des Standorts Altenstadt so wichtige Darstellung der Öffentlichkeit leichter zugänglich gemacht werden sollte. (Bericht "Sammlung ist beeindruckend" von Walter Kindlmann in den Schongauer Nachrichten vom 20./21. März 2010).

 

13.02.2010

Besichtigung des Herzoglichen Georgianums in München

Über 35 Mitglieder des Historischen Vereins nahmen an der Exkursion teil. Das Georgianum, nach dem Capranica in Rom das weltweit zweitälteste Priesterseminar, befindet sich heute in dem Bau gegenüber dem Universitäts-Hauptgebäude, der ebenfalls von Friedrich Gärtner 1835 – 1841 errichtet wurde. Ziel des Interesses war die im Besitz des Georgianums befindliche Sammlung von mehr als 600 sakralen Kunstwerken des 11. bis 19. Jahrhunderts, die zur Ausbildung der künftigen Priester vor allem von dem ehemaligen Direktor des Hauses Andreas Schmid seit 1885 zusammengetragen worden war. Zwar werden diese Schätze seit 1986 in zu einem Museum adaptierten Räumen präsentiert. Aber so "hautnah" wie in diesem nicht öffentlichen und nur nach persönlicher Anmeldung zugänglichen Museum kann kirchliche Kunst wohl kaum wohl anderswo betrachtet werden.

 

28.01.2010

"Bauernknecht und Bergmann im Pfaffenwinkel. Eine Autobiografie 1905 - 1977"

Fridolin Haugg las aus den Lebenserinnerungen seines gleichnamigen Vaters. Fridolin Haugg sen. entstammte einer armen, kinderreichen Familie, arbeitete bei mehreren Bauern als Knecht, bis er zusammen mit seiner späteren Frau Agnes eine Stelle in der Kellermühle in Altenstadt annahm. Im Jahr 1928 wechselte er endgültig in das Peißenberger Bergwerk und zog mit seiner Familie nach Hohenpeißenberg. Trotz zeitlicher Nähe und bekannter Umgebung entführt uns die Lebensgeschichte in eine heute längst vergessene Welt und ist in ihrer Einfachheit ein eindrucksvolles sozialgeschichtliches Zeitdokument.

Das Buch "Bauernknecht und Bergmann im Pfaffenwinkel. eine Autobiografie 1905 - 1975" erschein 2009 im Maximilian Dieterich Verlag und kann über den Historischen Verein zum Preis von 9,95 € bezogen werden.

 

26.10.2009

Dr. Alois Koch, Schwifting bei Landsberg

Vortrag mit Lichbildern:
Verkehrspolitik und Verkehrspraxis im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Dargestellt in Beispielen aus dem Raum Schongau
Der Referent zeigte, wie der Rottstation Schongau an der Handelsroute nach Italien ab dem Spätmittelalter durch neue Straßenführungen und pivate Transportunternehmen unliebsame Konkurrenz entstand.

 

26.09.2009

Einladung des Heimatvereins Polling zu einem Tagesbesuch nach Polling:

Besichtigung der Stiftskirche St. Salvator mit Wilfried Mroß; Führung durch den Bibliothekssaal mit Hanna Wittermann, Vorsitzende der Freunde des Pollinger Bibliothekssaals; Rundgang durch den Ortskern mit Erläuterungen zur Dorf- und Klostergeschichte: Altbürgermeister Dominikus Weiß; Stopp beim ehem. Schweighart-Hof, dem langjährigen Wohnsitz der Familie Mann, Erklärungen von Michael Kreuter; Begehung des Märzenbierkellers („Fischerbau“), vorgestellt von Kulturreferent Michael Jarnach, Polling. Organisation der Veranstaltung: Peter Ott, Weilheim.

 

17. Juli 2009


Großes Interesse an der Ausstellung "Notzeiten" in Peiting

 

Über 30 Mitglieder und Freunde des Historischen Vereins waren nach Peiting zum "Musuem im Klösterle" gekommen. Franz Bleichner und Herbert Wintersohl führten durch die Ausstellung,

 

 

20. Juni 2009


Exkursion nach Landshut

 

  • Besuch der Ausstellung über die Zeit Ludwigs X. „Ewig blühe Bayerns Land“ in der Stadtresidenz
  • Gang durch die Altstadt und Führung durch die Burg Trausnitz mit Stadtarchivar Gerhard Tausche

Der Historische Verein Schongau Stadt und Land verbrachte einen erlebnisreichen Tag in Landshut. Nach der Führung durch die Ausstellung unternahmen die Exkursionsteilnehmer einen Rundgang durch die vwittelsbachische Residenzstadt. Den ganzen Tag wurde die Gruppe von Stadtarchivar Gerhard Tausche betreut. Der Stadtarchivar, gleichzeitig der Erste Vorsitzende des über 700 Mitglieder zählenden Historischen Vereins von Niederbayern, öffnete den Besuchern aus dem Schongauer Land die Augen für die Besonderheiten des historischen Stadtensembles.

 

30. April 2009

Der Historische Verein Schongau besucht den Nachbarort Schwabbruck

Kirchenpfleger Peter Socher sowie Jochen Trumm, Heimatforscher und Herausgeber des „Brugger Blättle“, übernahmen die Führung.